Organisiert vom Wiener Landjugendreferat besuchten 26 Junggärtner gemeinsam mit dem Landjugendreferenten Klaus Zambra vom 6. bis 10. November das Gemüsebaugebiet Almeria in Südspanien. Ein Vergleich der Gemüseproduktion zwischen Österreich und Spanien war Thema dieser Fachexkursion ins Zentrum des europäischen Gemüsebaus.
Beim Hinflug musste aufgrund von technischen Problemen eine Verspätung von 4
Stunden in Kauf genommen werden. Dafür wurde die Gruppe bei der Ankunft in Malaga
an der „tropischen Küste Spaniens“ mit milden Temperaturen und Sonnenschein entschädigt.
Die beiden Reiseleiterinnen Christine und Martina nahmen uns im Abendlicht in Empfang
und organisierten eine Weinverkostung in der Nähe Malagas. Im Reisebus gings dann
weiter nach Almeria. Am zweiten Tag starteten wir sehr früh mit dem Fachprogramm.
In der näheren Umgebung besichtigten wir die Cooperative CASUR mit ihren Verpackungshallen
und Kühleinrichtungen. Schwerpunkt in dieser Gegend ist die Tomatenproduktion. Die
Cooperative besteht aus 200 Mitgliedesbetrieben mit einer bewirtschafteten Folienhausfläche
von rund 200 ha. 90 % der Produktion wird in die verschiedenen EU Länder exportiert,
nur 10 % entfallen auf den spanischen Markt.

Eines der Hauptprobleme ist die Verfügbarkeit von reinem Wasser. Durch die starke Zunahme der Produktion in den letzten 20 Jahren mussten die Brunnen immer tiefer gebohrt werden. Mittlerweile mischt sich Meerwasser in Küstennähe in den Grundwasserbereich und führt zu starken Bodenversalzungen der Anbauflächen. Eine Lösung dieses Problems wird durch die Fertigstellung von Entsalzungsanlagen für Meerwasser im nächsten Jahr erwartet.
Der Besuch der Cooperative AGROSOL in Lorca gab uns Einblick in die Produktion von Freilandgemüse. Zur Zeit beginnt die Hauptsaison für Karfiol, Broccoli, Salat, Artischocken und Melonen für den europäischen Markt. Anschließend gab es einen informativen Meinungsaustausch mit Vertretern von FECOAM, der Vereinigung der Cooperativen der Region Murcia. Die rege Diskussion mit Manuel Soler Miras, dem Präsidenten der Vereinigung, zeigte klar, dass auch die spanischen Gemüsebauern mit ähnlichen Problemen kämpfen wie die Österreicher.
Vor allem fehlt es an jungen und qualifizierten Nachfolgern für die Gemüsebetriebe.
Die Betriebe sind zu kleinflächig, besitzen zu wenig Kapital für Neuinvestitionen
und es mangelt an aktiver Weiterbildung. Weitere Problembereiche sind die Rückstände
von Pflanzenschutzmitteln auf Gemüse und der fehlende Einsatz von Alternativen wie
z. B. Nützlingen. Im Freilandanbau müssen die Kulturen mit schwarzer Folie zum Schutz
gegen Verdunstung abgedeckt werden, was wiederum massive Probleme bei der Entsorgung
verursacht.

Am Freitag besichtigen die Wiener Landjungend-Junggärtner eine Cooperative in NIJAR mit den Kulturen Tomaten, Paprika, Zucchini, Cherrytomaten und Melonen, weiters die 1995 gegründete Cooperative AGROISIRIS mit 400 Gärtnern und den Kulturen Gurke, Paprika, grüne Bohnen und Tomaten und zuletzt die Cooperative LA PALMA, einen der größten Produzenten von Cherrytomaten in Europa.
La Palma hat in den letzten 5 Jahren intensiv in die Weiterbildung seiner sehr
jungen Mitglieder investiert und erfüllt bereits alle Erfordernisse des europäischen
Handels. 5 % der Gesamtproduktion sind bereits Bio.
Allgemein konnte sich die Wiener Gruppe von der dynamischen Entwicklung und Innovationsfreudigkeit
der spanischen Gemüsebaubetriebe überzeugen, wenngleich die Rahmenbedingungen für
den Gemüsebau auch kritisch hinterfragt werden.
Als Resümee der Reise können die Vorteile der südspanischen Gemüseproduktion klar
hervorgestrichen werden, das milde und trockene Klima in Meeresnähe, keinerlei Heizkosten,
günstige Personal- und Arbeitskosten und eine perfekte Logistik und Infrastruktur.
Trotz eines sehr intensiven und dichten Besichtigungsprogramms waren alle Mitglieder
der Landjugendgruppe begeistert von den neuen Eindrücken, die ihnen im Zuge dieser
Exkursion geboten wurden.
Bericht und Fotos
DI Klaus Zambra
(Landjugendreferent WLK)